Trauma-Tradierung

Es ist der Berliner Zeitung ja prinzipiell hoch anzurechnen, dass sie das Thema “Trauma” regelmäßig aufgreifen und sogar einen Artikel von mir zum Thema veröffentlicht haben.
Nur leider wird nicht jeder Artikel dem Thema gerecht bzw. rutscht es entweder in biochemische Erbsenzählerei oder in küchenpsychologisches Geschwurbel ab. Letzteres ist mal wieder bei einem aktuellen Artikel der Fall:

Die Diagnose, dass Traumata tradiert werden, ist zwar richtig und auch die gesamten Umstände mit den sozialen und emotionalen Problemen der Betroffenen sprechen dafür. Auch dass gerade Deutschland eine Vergangenheit mit sehr vielen Kriegen hat und viele Traumata von da herrühren ist nicht von der Hand zu weisen. Auch anhaltender Missbrauch verschlimmert die Situation sicherlich.
Nur leider gleitet der Artikel bei der Frage wie denn die Traumata von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden und was man dagegen tun kann, dann doch mit seinen “Experten” in die Küchenpsychologie ab.
Mehr als eine oberflächliche Symptomatik eines umempathischen Verhaltens der Eltern was sich irgendwie überträgt kann der Diplom-Psychologe nicht vorweisen.
Es fehlt vollkommen, dass es sich bei derart tiefsitzenden Traumata in einer nach außen scheinbar “normalen” Familie, praktisch immer um frühkindliche Traumata, auch sogen. verdeckte, “kleine” Traumata handelt, die in der Phase der seelischen Geburt und die Hirnentwicklung in dieser Zeit ihren Ursprung haben.
Schade, dass die Redakteure der BLZ wohl ihre eigene Zeitung nicht lesen. Sonst wüssten sie es besser.

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